logo klemm

 

Was geschieht mit Bruchteilen von Urlaubstagen?

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) durfte sich im Januar mit der Frage beschäftigen, was mit restlichen Bruchteilen von Urlaubstagen geschieht, wenn das Arbeitsverhältnis endet.


"Der Urlaub ist mir heilig!" Diesen Satz würden die allermeisten von uns sofort unterschreiben. Andererseits ist der Urlaub ein erheblicher Kostenfaktor für den Arbeitgeber. So gibt es nicht selten - insbesondere im Zusammenhang mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses - zu Streit über die Höhe des Urlaubsanspruchs. Manch einer schaut dabei ganz genau hin. Mitunter kommt es vor, dass nicht nur ganze Urlaubstage bestehen sondern auch Bruchteile davon.

Dazu, wie mit diesen Bruchteilen umzugehen ist, findet sich etwas in § 5 Abs. 2 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG): "Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, sind auf volle Urlaubstage aufzurunden." Das ist klar und verständlich: Wer noch Anspruch auf zumindest einen halben Urlaubstag hat, bekommt einen ganzen Tag frei.

Was gilt aber bei 0,4 Urlaubstagen? Das Gesetz regelt das nicht ausdrücklich, stellt aber grundsätzlich auf ganze Urlaubstage ab. Ist daher im Umkehrschluss aus der Aufrundungsregel in § 5 Abs. 2 BUrlG zu folgern, dass kleinere Bruchteile, wie z.B. 0,4 Urlaubstage, verfallen? Nein, antwortet das BAG nunmehr in einem Urteil vom 23.01.2018 (Az. 9 AZR 200/17). Diese Bruchteile von Urlaubstagen bleiben bestehen - und sind im Falle der Beendigung des Arbeitsverhältnisses abzugelten (also in Geld umzurechnen, abzurechnen und auszuzahlen), wenn sie vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses aus welchen Gründen auch immer nicht mehr "in natura" genommen werden können.

Kommentar von Rechtsanwalt Markus Illmer, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Rechtsanwälte Klemm & Partner, Hamburg-Bergedorf:

Man fragt sich, wie es diese Rechtsfrage zu Bruchteilen eines Arbeitstages durch drei Gerichtsinstanzen bis zum BAG "schafft". Denn wirtschaftlich geht es dabei selten um mehr als 100,00 € brutto. Der Grund dafür: In dem Ausgangsrechtsstreit ging es um sehr viel mehr Geld, weil die Arbeitnehmerin für mehrere Jahre, in denen sie in Elternzeit war, rückwirkend Urlaubsabgeltung beanspruchte. Der Arbeitgeber hatte versäumt, den während der Elternzeit entstehenden Urlaub - was unproblematisch möglich ist - durch einfache Erklärung zu kürzen (mehr zu dieser Möglichkeit in unserem Beitrag hier).

 

Newsübersicht