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Umgang der Kinder mit ihren Großeltern – nicht um jeden Preis

Das Familiengericht kann Großeltern den Umgang mit den eigenen Enkeln verwehren, wenn er nicht dem Kindeswohl dient:

 

„Der Umgang der Großeltern mit dem Kind dient regelmäßig nicht seinem Wohl, wenn die – einen solchen Umgang ablehnenden – Eltern und die Großeltern so zerstritten sind, dass das Kind bei einem Umgang in einen Loyalitätskonflikt geriete.“

BGH, Beschluss vom 12. Juli 2017 – XII ZB 350/16 –

Der Bundesgerichtshof hatte jüngst einen Umgangsfall zu entscheiden, in dem die Beziehung der Kindeseltern zu den Eltern der Mutter in den Brüchen lag und die Kindeseltern einen Umgang der Großeltern mit den Enkeln ablehnten. Die Großeltern haben dann vor dem Familiengericht einen Antrag gestellt, um zu erreichen, wieder Umgang mit den Enkeln zu haben. Nach Anhörung aller Beteiligter und Einholung eines psychologischen Sachverständigengutachtens hat das Familiengericht sich gegen einen Umgang der Großeltern ausgesprochen. Diese Entscheidung wurde vom zuständigen Oberlandesgericht und letztinstanzlich vom BGH bestätigt.

Die Beziehung zwischen Kindeseltern und Großeltern war so desolat, dass in der Vergangenheit eine Vereinbarung getroffen worden war, nach der die Großeltern ihrer Tochter und deren Ehemann ein zinsloses Darlehen gewährten und im Gegenzug Umgang mit den Enkelkindern gewährt bekamen. Gleichwohl haben die Großeltern hinter dem Rücken der Kindeseltern mit diversen Schreiben beim Jugendamt Stimmung gegen die Kindeseltern gemacht und deren Erziehungsfähigkeit massiv und wiederholt in Zweifel gezogen.

Vor dem Hintergrund dieser tief greifenden Störungen in der Beziehung zwischen Kindeseltern zu den Eltern der Mutter hat das Familiengericht entschieden, dass eine Umgang der Großeltern mit ihren Enkeln sie in einem großen Loyalitätskonflikt stürzen würde. Hätten die Enkelkinder weiterhin Kontakt zu den Großeltern, würden die Kinder  in den Streit zwischen Großeltern und Kindeseltern herein gezogen und könnten sich aufgrund ihres jungen Alters nicht davon abgrenzen – ein solcher Konflikt entspricht nicht dem Kindeswohl, das gerade auch beim Umgang der Kinder mit weiteren Bezugspersonen zu beachten ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, weshalb ein Umgangsrecht der Großeltern abgelehnt worden war, war der Umstand, dass die Großeltern das verfassungsrechtlich verankerte Erziehungsrecht der Eltern nicht ausreichend respektierten und durch heimliche Intervention (z. B. gegenüber dem Jugendamt) den Kindeseltern versuchten "hineinzuregieren“. Auch dieses Verhalten, das die Erziehungskompetenz und auch Entscheidungsbefugnis der Kindeseltern in Frage stellt, ist nach Ansicht der Gerichte nicht kindeswohlgerecht.

In einer solchen Konstellation konnten keine Punkte gefunden werden, die einen Umgang der Enkel mit ihren Großeltern rechtfertigen würden, weil weder eine Schaffung von erheblichen Loyalitätskonflikten noch Missachtung des elterlichen Erziehungsrechts dem Wohl der Kinder dient.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshof stellt – neben einigen verfahrensrechtlichen Fragen – klar, dass ein Umgang mit Bezugsperson für die Kinder, außer deren Eltern, nur denkbar ist, wenn er dem Wohl der Kinder ausdrücklich entspricht. Besteht zwischen diesen Bezugspersonen und den Eltern Streit ist es – unabhängig davon, wer für den Streit verantwortlich ist – den Kindern nicht zuzumuten, in diesen Streit hineingezogen zu werden und daher im Zweifel ein Umgang nicht möglich.

Zu Fragen des Umgangs von Kindern mit Eltern oder weiteren wichtigen Personen im Leben des Kindes und weiteren familienrechtlichen Themen beraten wir Sie jederzeit gerne.

Kommentar von Rechtsanwalt Johannes Ostertag, Rechtsanwälte Klemm & Partner, Hamburg-Bergedorf

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